Osteoporose

DIE KRANKHEIT

Die Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine Verminderung der Knochenmasse und eine Verschlechterung der Knochenmikroarchitektur charakterisiert ist mit einem konsekutiven Anstieg der Knochenfragilität und der Neigung zu Frakturen.1
Osteoporose tritt am häufigsten bei postmenopausalen Frauen auf, da der Östrogenmangel zu erhöhtem Knochenumsatz mit daraus resultierendem Knochenverlust führt, d.h. der Knochenabbau nimmt stärker zu als die Knochenneubildung.2 Auch Männer sind, wenn auch seltener, von Osteoporose betroffen.3 Als primäre Form ist die Osteoporose eine chronische Erkrankung, die ein langfristiges Therapie-Management erfordert.4

EPIDEMIOLOGISCHE DATEN

Es gibt schätzungsweise 200 Millionen Menschen weltweit, die an Osteoporose leiden, und jedes Jahr treten fast 9 Millionen osteoporotischen Frakturen auf.5 In 2010 gab es in der Schweiz geschätzt 370'000 Frauen und 90'000 Männer über 50 Jahre, die von Osteoporose betroffen waren.6 Die Lebenszeit-Wahrscheinlichkeit für eine osteoporotische Fraktur wird bei einem 50-jährigen Mann auf 20,2% und bei einer 50-jährigen Frau auf 51,3% geschätzt, d.h. ungefähr jede zweite Frau und jeder fünfte Mann, die heute 50 Jahre alt sind, werden im Laufe ihres weiteren Lebens eine osteoporotische Fraktur erleiden.7 Diese manifestieren sich am häufigsten als Frakturen der Wirbelkörper, des Oberschenkelhalses, des distalen Radius und des proximalen Humerus.7
Es ist erwiesen, dass eine anfängliche Fraktur ein Hauptrisikofaktor für eine erneute Fraktur ist.8,9 Die Wahrscheinlichkeit ist besonders hoch in der Zeit unmittelbar nach der Fraktur: Das relative Risiko einer erneuten Fraktur im Jahr nach dem ersten Ereignis ist fünfmal höher als das einer ersten Fraktur.10

DIE FOLGEN EINER OSTEOPOROTISCHEN FRAKTUR

Das Auftreten einer osteoporotischen Fraktur ist nicht nur mit dem Risiko nachfolgender Frakturen verbunden, sondern auch mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität der betroffenen Patienten.11 Als besonders belastend gelten Oberschenkelhalsfrakturen. Patienten, die eine Oberschenkelhalsfraktur erlitten haben, sind häufig mit langfristigen körperlichen Behinderungen, Schmerzen, Verringerung der Lebensqualität und Beeinträchtigung der Fähigkeit, unabhängig zu leben und tägliche Aktivitäten durchzuführen, konfrontiert.12 Auch das Sterblichkeitsrisiko erhöht sich durch eine Fraktur: Patienten mit Oberschenkelhalsfrakturen haben ein signifikant erhöhtes Mortalitätsrisiko, das mindestens doppelt so hoch ist wie das in der altersangepassten Vergleichspopulation, und dieses besteht für mehrere Jahre nach der Fraktur.13
Aus diesen Gründen ist die Identifizierung und Behandlung von Osteoporose-Patienten von entscheidender Bedeutung. Neben der Sturzprophylaxe und einem ausgeglichenen Kalzium- und Vitamin D-Haushalt ist eine systemische medikamentöse Therapie oft angebracht, da diese in den Knochenstoffwechsel eingreift und das Risiko von Frakturen effektiv reduzieren kann.14

OSTEOPOROSE WIRD UNGENÜGEND DIAGNOSTIZIERT UND THERAPIERT

Trotz der hohen Prävalenz und schwerwiegender Folgen wird die Osteoporose oft unterschätzt:
In einer aktuellen Beobachtungsstudie in mehreren europäischen Ländern einschliesslich der Schweiz wurde gefunden, dass bei 68% der Patienten ab 70 Jahren mit erhöhtem Fragilitätsrisiko keine Osteoporose-Diagnose gestellt worden war. Über die Hälfte aller Patientinnen, die eine Osteoporose hatten, waren ohne spezifische Therapie.15 Tatsächlich wird auch nur eine Minderheit der Patienten, die bereits einen osteoporotischen Knochenbruch erlitten haben, als an Osteoporose erkrankt diagnostiziert16, und weniger als einer von drei Patienten über 66 Jahre erhält innerhalb eines Jahres nach einer Fraktur eine medikamentöse Behandlung.17 Schweizerische Daten zeigen zudem, dass ein Jahr nach einer Fraktur nur 52% der Patienten die verschriebene medikamentöse Therapie noch nehmen.18
Aufgrund des Trends der zunehmenden Lebenserwartung und damit der Zunahme der älteren Bevölkerung19 ist zu erwarten, dass auch die Zahl der osteoporotischen Frakturen zunehmen wird, was wichtige Folgen sowohl für die Gesellschaft als auch für die Wirtschaft haben dürfte.

REFERENZEN:
  1. World Health Organization. WHO Scientific Group on the Prevention and Management of Osteoporosis. Prevention and management of osteoporosis. World Health Organ Tech Rep Ser 2003; 921:1-206
  2. Seeman E, et al. Bone quality--the material and structural basis of bone strength and fragility. N Engl J Med. 2006;354(21):2250-61
  3. Drake MT, et al. Male osteoporosis. Endocrinol Metab Clin North Am. 2012;41(3):629-41
  4. Brown JP, et al. Denosumab significantly increases bone mineral density and reduces bone turnover compared with monthly oral ibandronate and risedronate in postmenopausal women who remained at higher risk for fracture despite previous suboptimal treatment with an oral bisphosphonate. Osteoporos Int. 2014;25(7):1953-61
  5. International Osteoporosis Foundation. Facts and statistics https://www.iofbonehealth.org/facts-statistics (accessed 10.11.2018)
  6. Svedbom A, et al. Epidemiology and economic burden of osteoporosis in Switzerland. Arch Osteoporos. 2014;9:187
  7. Lippuner K, et al. Remaining lifetime and absolute 10-year probabilities of osteoporotic fracture in Swiss men and women. Osteoporos Int. 2009;20(7):1131-40
  8. Kanis JA, et al. A meta-analysis of previous fracture and subsequent fracture risk. Bone. 2004;35(2):375-82
  9. Klotzbuecher CM, et al. Patients with prior fractures have an increased risk of future fractures: a summary of the literature and statistical synthesis. J Bone Miner Res. 2000;15(4):721-39
  10. Van Geel TA, et al. Clinical subsequent fractures cluster in time after first fractures. Ann Rheum Dis. 2009;68(1):99-102
  11. Cooper C. The crippling consequences of fractures and their impact on quality of life. Am J Med. 1997;103(2A):12S-17S
  12. Dyer SM, et al. A critical review of the long-term disability outcomes following hip fracture. BMC Geriatr. 2016; 16(1): 158
  13. Vestergaard D, et al. Increased mortality in patients with a hip fracture-effect of pre-morbid conditions and post-fracture complications. Osteoporos Int. 2007;18(12):1583-93
  14. SVGO/ASCO Osteoporose Empfehlungen 2015, https://www.svgo.ch/ (accessed 13.11.2018)
  15. McCloskey EV, et al. Osteoporosis (OP) diagnosis and treatment of women aged ≥70 years in primary care: results from a large European cross-sectional study. Poster (P997) presented at WCO-IOF-ESCEO, Paris, April 4-7 2019
  16. Bessette L, et al. The care gap in diagnosis and treatment of women with a fragility fracture. Osteoporos Int. 2008 Jan;19(1):79-86
  17. Yusuf AA, et al. Utilization of osteoporosis medication after a fragility fracture among elderly Medicare beneficiaries. Arch Osteoporos. 2016;11(1):31
  18. Morell S, et al. Adherence to osteoporosis pharmacotherapy one year after osteoporotic fracture - a Swiss trauma center secondary prevention project. Swiss Med Wkly. 2017;147:w14451
  19. Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2015 –2045, https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen.assetdetail.350324.html (Accessed 24.10.2018)
SC-CH-AMG162-00181

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